
Der Lehrling, den es bald nicht mehr gibtWas passiert, wenn niemand mehr die Anfängerfehler macht?
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Mein Steuerberater nutzt noch keine KI. Bewusst nicht. Trotzdem hat er vor ein paar Monaten in einem Gespräch über die strukturellen Folgen von KI eine Frage gestellt: Wenn KI die Routineaufgaben schon schneller und besser erledigt, wie genau sollen neue Mitarbeitende dann noch lernen?
Er hatte das bei seinem Sohn beobachtet, der ein Team leitet. Keine Studie, keine Statistik. Nur eine Beobachtung aus dem echten Arbeitsalltag.
Dann las ich einen Artikel des World Economic Forum, der genau das bestätigte, was er gemeint hatte.
🌿 Das Trainingsfeld verschwindet still
Die Harvard-Zahlen, auf die sich der Artikel bezieht: In Unternehmen, die generative KI eingeführt haben, ist die Neueinstellung von Berufseinsteigern seit 2023 um rund 80% pro Quartal zurückgegangen.
Die Beschäftigung von Berufseinsteigern sank dort innerhalb von anderthalb Jahren um etwa 9%. Die Beschäftigung erfahrener Mitarbeitender wuchs im gleichen Zeitraum weiter.
Das ist keine Jobverlust-Geschichte. Es ist eine Trainingsfeld-Geschichte.
Einstiegsjobs waren nie nur Output.
Sie waren der Ort, an dem Urteilsvermögen entsteht. Die Analystin, die ihr erstes Modell von Hand baut, entwickelt ein Gespür dafür, wann eine Zahl falsch ist, noch bevor sie es erklären kann. Der neue Kollege, dessen Memo mit roten Anmerkungen zurückkommt, lernt, was „gut“ wirklich bedeutet, nicht aus einer Checkliste, sondern aus Reibung.
Genau diese Aufgaben übernimmt KI inzwischen am liebsten.
Wenn sie automatisiert statt vergeben werden, verschwindet nicht nur Arbeit.
Es verschwindet die Übung.
Das betrifft nicht nur die Berufseinsteiger von heute. Es betrifft auch Dich.
Führungskräfte haben ihr eigenes Urteilsvermögen genauso aufgebaut: an kleineren Aufgaben, mit jemand Erfahrenem in der Nähe, der den Fehler auffing, bevor er wichtig wurde. Wenn dieser Weg für die nächste Generation kleiner wird, stellt sich die Frage nicht nur für sie. Sie stellt sich auch für Dich.
💡 Ein Check für dein eigenes mentales Training
Lernen war nie bequem. Es kostet Zeit, Wiederholung und den Mut, öffentlich falsch zu liegen.
Genau diese Mühe ist der Grund, warum es wirkt. Sie baut das auf, was später wie Instinkt aussieht: Klarheit und Zuversicht im eigenen Urteil.
Drei schärfere Fragen, wenn du ehrlich bist:
→ Wo hast du zuletzt bewusst den längeren, mühsameren Weg gewählt, um wirklich zu verstehen, statt nur schnell fertig zu sein?
→ Wann hast du dich zuletzt öffentlich korrigieren lassen, obwohl es unangenehm war?
→ Woran arbeitest du gerade, bei dem du das Ergebnis noch nicht sicher einschätzen kannst, und lässt dich trotzdem darauf ein?
Keine der drei Fragen hat eine bequeme Antwort.
Das ist der Punkt: Bequemlichkeit baut kein Urteilsvermögen auf. Anstrengung schon.
🧭 Was als Nächstes kommt 😍
Am 22. September kommt hier etwas Neues. Ein kurzer Selbst-Check, der dir zeigt, wo dein eigenes KI-Urteilsvermögen gerade steht, und wo nicht.
Mehr dazu in zwei Wochen - I love cliffhangers 😉
Herzlich,
Karla Schlaepfer
und das ✨ DesignChange Team „Der einzige wirkliche Fehler ist der, aus dem wir nichts lernen.“
DesignChange Highlights (Deutsch)
Das Trainingsfeld verschwindet: Harvard-Zahlen bestätigen, was mein Steuerberater längst vermutet hat.
Der Check für dein eigenes Training: Drei schärfere Fragen zur Mühe, die Urteilsvermögen aufbaut.
Was als Nächstes kommt: Am 22. September gibt es hier etwas Neues.
DesignChange Highlights (English)
The Training Ground Is Disappearing: Harvard numbers confirm what my tax advisor already suspected.
A Check for Your Own Training: Three sharper questions about the effort that builds judgment.
What’s Coming Next: Something new arrives here on September 22nd.
Quellen: Hosseini, S. & Lichtinger, G. (2026). Harvard University working paper on generative AI and entry-level employment, zitiert in: “The AI-related leadership crisis that’s only five years away”, World Economic Forum, Juni 2026.
Generated by Karla and Claude.